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Digitale Konten und Abos im Nachlass

Abos bei Apple, Google und Microsoft laufen über ein Konto, nicht über einen klassischen Vertrag. Diese Anbieter haben eigene Nachlassprozesse, die länger dauern als eine Kündigung und teils gerichtliche Dokumente verlangen. Vorbereitend lassen sich bei mehreren Anbietern Nachlasskontakte hinterlegen — das verkürzt den Prozess erheblich.
Von AboTracker RedaktionZuletzt geprüft am

Anbieterangaben und Rechtsstand, nach Land getrennt. Verantwortlich für den Inhalt ist Leutrim Miftaraj, Innopulse Consulting GmbH, Zug. Wie wir recherchieren und korrigieren

Digitale Konten sind der Teil des Nachlasses, der am häufigsten unbearbeitet bleibt — nicht weil die Beträge gross wären, sondern weil die Prozesse anders funktionieren als bei klassischen Verträgen. Über ein Apple- oder Google-Konto können mehrere Abos gleichzeitig laufen, die im Kontoauszug nur als eine Sammelbelastung erscheinen.

Diese Seite ist eine praktische Handreichung, keine Rechtsberatung.

Schritt für Schritt

  1. 1

    Sammelbelastungen identifizieren

    Suchen Sie auf den Kartenabrechnungen nach Belastungen mit «APPLE.COM/BILL», «GOOGLE» oder «MICROSOFT». Hinter jeder können mehrere Abos stecken. Die einzelnen Positionen sind nur im jeweiligen Konto sichtbar.

  2. 2

    Prüfen, ob ein Nachlasskontakt hinterlegt ist

    Apple und Google bieten die Möglichkeit, zu Lebzeiten eine Kontaktperson für den Nachlass zu bestimmen. Ist das geschehen, ist der Zugang erheblich einfacher. Prüfen Sie das zuerst — es erspart im Erfolgsfall den gesamten Antragsprozess.

  3. 3

    Den Nachlassprozess des jeweiligen Anbieters starten

    Jeder Anbieter hat ein eigenes Verfahren mit eigenen Anforderungen. Verlangt werden typischerweise Todesurkunde, Nachweis der Berechtigung und teils gerichtliche Dokumente. Rechnen Sie mit Wochen, nicht Tagen.

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    Parallel die Zahlung stoppen

    Solange der Nachlassprozess läuft, laufen die Abos weiter. Bei SEPA-Lastschrift in der EU ist eine Rückbuchung innert acht Wochen möglich. Sperren Sie die Karte nicht als einzige Massnahme — die Forderungen bleiben bestehen.

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    Daten sichern, bevor das Konto geschlossen wird

    Fotos, Dokumente und Nachrichten sind für Angehörige oft der eigentliche Wert des Kontos. Nach der Schliessung ist der Zugriff endgültig verloren.

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    Für die eigene Situation vorsorgen

    Hinterlegen Sie bei den Anbietern, die es anbieten, einen Nachlasskontakt. Und führen Sie eine Liste der laufenden Abos, die für Angehörige zugänglich ist. Das ist der einzige Schritt, der den Prozess für andere wirklich vereinfacht.

Was hier am häufigsten schiefgeht

  • Digitale Konten zuletzt angehen, obwohl ihre Prozesse am längsten dauern
  • Das Konto schliessen lassen, bevor Fotos und Dokumente gesichert sind
  • Annehmen, eine Sammelbelastung sei ein einzelnes Abo
  • Nur die Karte sperren, ohne die Abos zu beenden

Rechtslage in der DACH-Region

Schweiz

OR / ZGB

Digitale Vermögenswerte und Vertragsverhältnisse gehen nach dem Grundsatz der Universalsukzession (Art. 560 ZGB) auf die Erben über. Für den Zugang zu einem Konto verlangen Anbieter in der Regel eine Erbenbescheinigung. Die Praxis der Anbieter ist unterschiedlich und nicht immer deckungsgleich mit der Rechtslage.

Deutschland

BGB

Der Bundesgerichtshof hat 2018 entschieden, dass ein Nutzerkonto samt Inhalt nach § 1922 BGB auf die Erben übergeht — digitale Inhalte werden nicht anders behandelt als analoge. Für den Zugang verlangen Anbieter regelmässig einen Erbschein.

Österreich

ABGB / KSchG / FAGG

Auch hier gehen Vertragsverhältnisse und digitale Inhalte auf die Verlassenschaft und mit der Einantwortung auf die Erben über. Für den Zugang wird in der Regel eine Einantwortungsurkunde verlangt.

Diese Darstellung dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Für die Beurteilung eines Einzelfalls ist eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt zuständig.

Häufige Fragen

Warum dauert das länger als eine normale Kündigung?

Weil ein Konto mehr enthält als ein Abonnement — Fotos, Nachrichten, Käufe. Die Anbieter prüfen die Berechtigung deshalb strenger als bei einer blossen Vertragsauflösung und verlangen häufig gerichtliche Dokumente.

Kann ich die laufenden Abos stoppen, bevor der Nachlassprozess abgeschlossen ist?

Über den Zahlungsweg ja. Bei SEPA-Lastschrift in der EU ist eine Rückbuchung innert acht Wochen ohne Angabe von Gründen möglich. Der Vertrag endet dadurch nicht, aber die Belastung stoppt.

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Vom Lesen zum Überblick

Der schnellste Weg, das hier Gelesene anzuwenden: alle Abos an einem Ort erfassen und die Jahressumme sehen. Zwei Minuten, kostenlos, keine Bankverbindung nötig.

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