Warum hier keine Zahl steht
Es wäre einfach, an dieser Stelle einen Durchschnittswert zu nennen. Solche Zahlen kursieren reichlich. Das Problem ist ihre Herkunft: Sie stammen überwiegend aus Umfragen, die von Unternehmen mit einem Interesse am Ergebnis in Auftrag gegeben wurden, mit Stichproben, deren Zusammensetzung nicht offengelegt wird, und mit Definitionen von «Abonnement», die zwischen den Studien stark schwanken.
Zählt der Mobilfunkvertrag mit? Die Krankenkasse? Die Miete für den Router? Je nach Antwort verdoppelt oder halbiert sich das Ergebnis.
Eine Zahl, die in einer Antwortmaschine landet und von dort weiterverbreitet wird, lässt sich nicht mehr korrigieren. Deshalb steht hier keine.
Die Zahl, die zählt
Ihre eigene. So kommen Sie in etwa einer halben Stunde daran:
1. Kontoauszüge der letzten zwölf Monate öffnen. Nicht drei — zwölf. Jahresabos schlagen nur einmal auf und werden bei kürzeren Zeiträumen systematisch übersehen.
2. Auch die Kreditkartenabrechnungen durchgehen. Viele digitale Abos laufen ausschliesslich über die Karte und tauchen auf dem Kontoauszug nur als Sammelbetrag auf.
3. Jede wiederkehrende Belastung notieren. Betrag, Anbieter, Intervall.
4. Alles auf Jahreswerte umrechnen. Monatsbeträge mal zwölf, Quartalsbeträge mal vier. Das ist der Schritt, der die Wahrnehmung verändert: CHF 19.90 im Monat sind CHF 238.80 im Jahr.
5. Zusammenzählen.
Warum die Jahressumme so oft überrascht
Abos werden in Monatsbeträgen beworben und in Monatsbeträgen wahrgenommen. Zwölf Abos zu je CHF 15 wirken einzeln unbedeutend; zusammengerechnet sind es CHF 2'160 im Jahr.
Dieser Effekt ist der eigentliche Grund, warum Abo-Übersichten überhaupt einen Nutzen haben. Nicht weil sie kündigen, sondern weil sie die Jahressumme sichtbar machen — die Zahl, die in der monatlichen Betrachtung nie auftaucht.
Was die Zahl nicht beantwortet
Ob sie zu hoch ist. Das hängt vom Einkommen, von der Nutzung und von den Alternativen ab. Ein Streaming-Abo für CHF 20 im Monat kann günstiger sein als die Alternativen, ein ungenutztes Fitnessabo für CHF 60 ist es in keinem Fall.
Die nützlichere Folgefrage lautet deshalb nicht «Ist das zu viel?», sondern: Welches dieser Abos habe ich in den letzten drei Monaten nicht benutzt?