Warum eine Zahl die falsche Antwort wäre
Empfehlungen wie "zwei Dienste reichen" klingen konkret und sind es nicht. Ein Haushalt mit vier Personen und unterschiedlichen Interessen hat einen anderen Bedarf als eine Einzelperson. Wer täglich zwei Stunden schaut, nutzt einen Dienst anders als jemand mit drei Stunden im Monat.
Die brauchbare Frage ist nicht "wie viele", sondern: Welcher dieser Dienste wurde in den letzten drei Monaten tatsächlich geöffnet?
Die Prüfung, die zu Entscheidungen führt
Die meisten Streaming-Dienste zeigen im Konto eine Wiedergabeliste oder einen Verlauf. Dort steht, was tatsächlich lief — nicht, was man zu schauen vorhatte.
Ein Dienst ohne Einträge in den letzten drei Monaten ist die einfachste Kündigungsentscheidung, die es gibt. Sie fällt trotzdem selten, weil niemand nachsieht.
Rotation statt Reduktion
Der wirksamste Ansatz ist nicht, dauerhaft weniger Dienste zu haben, sondern nicht alle gleichzeitig.
Streaming-Nutzung ist anlassbezogen: eine bestimmte Serie, eine Staffel, eine Sportsaison. Der Anlass dauert Wochen, das Abo läuft Jahre.
Praktisch: Einen Dienst abonnieren, wenn es einen Anlass gibt. Am selben Tag kündigen — der Zugang bleibt bis Periodenende bestehen. Nach Ablauf entscheidet man neu.
Das kostet keinen Nutzungstag. Bei den meisten Anbietern bleiben Profil, Merkliste und Verlauf für eine gewisse Zeit erhalten, sodass ein späterer Wiedereinstieg dort anknüpft.
Die Voraussetzung, an der es scheitert
Rotation setzt voraus, dass man weiss, welche Dienste gerade laufen. Genau daran fehlt es in den meisten Haushalten — nicht am Willen zu kündigen.
Deshalb ist der erste Schritt nicht die Reduktion, sondern die Übersicht: welche Dienste, welcher Betrag, welches Verlängerungsdatum.
Zwei Nebenwege, die oft übersehen werden
Werbefinanzierte Stufen. Für Zweit- und Drittdienste mit geringer Nutzung fallen die Einschränkungen kaum ins Gewicht, der Preisunterschied ist erheblich.
Bündel prüfen. Ein Streamingdienst, der in einem Mobilfunkvertrag oder einem Ökosystem-Bündel bereits enthalten ist, muss nicht zusätzlich abonniert werden. Diese Doppelung ist häufiger, als man annimmt, weil beide Verträge aus unterschiedlichen Gründen abgeschlossen wurden.
Was keine gute Idee ist
Alles auf einmal zu kündigen. Das führt regelmässig dazu, dass innerhalb weniger Wochen zwei Dienste neu abgeschlossen werden — häufig zum regulären Preis statt zum vorherigen Aktionstarif.
Besser ist die Reihenfolge nach Nutzung: zuerst der Dienst ohne Einträge im Verlauf, dann in einigen Wochen der nächste.