Die Schwelle liegt niedriger als gedacht
Der Begriff "Familientarif" suggeriert einen Haushalt mit Kindern. Rechnerisch ist das irreführend: Weil solche Tarife typischerweise unter dem Doppelten eines Einzelabos liegen, ist der Wechsel bereits bei zwei Personen günstiger.
Ein Paar mit zwei Einzelabos beim selben Anbieter zahlt also mehr als nötig — unabhängig davon, ob es sich als Familie versteht.
Die Bedingung, die vorher zu prüfen ist
Haushaltsbindung. Viele Streaming-Anbieter verlangen, dass alle Konten im selben Haushalt angemeldet sind, und prüfen das über die Netzwerkverbindung. Manche verlangen eine regelmässige Verbindung vom Haupthaushalt aus; bleibt sie aus, wird der Zugang eingeschränkt.
Bei Musik- und teilweise bei Gaming-Diensten ist die Bindung lockerer oder fehlt ganz.
Ein Familientarif, der wegen der Haushaltsprüfung nicht nutzbar ist, spart nichts. Diese Frage gehört vor die Preisrechnung, nicht danach.
Was der Tarif nicht bedeutet
Er bedeutet nicht, dass alle denselben Zugang teilen. Bei den meisten Anbietern behält jedes Konto eigene Empfehlungen, Playlists und Fortschritte. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum blossen Weitergeben von Zugangsdaten, bei dem sich alle Nutzungsdaten vermischen.
Die Reihenfolge beim Wechsel
- Familientarif abschliessen und die weiteren Konten einladen.
- Erst danach die Einzelabos kündigen — jedes einzeln.
- Prüfen, wo jedes Einzelabo abgeschlossen wurde. Läuft eines über einen App-Store, wird es dort gekündigt.
Schritt zwei ist der, an dem es scheitert: Die Kündigung muss von der Person ausgeführt werden, der das jeweilige Abo gehört — nicht von derjenigen, die den Familientarif abgeschlossen hat. Es entsteht dieselbe Doppelung, die man beseitigen wollte.
Ein Nebeneffekt, der oft überrascht
Nach dem Wechsel läuft ein Vertrag statt mehrerer, bezahlt von einer Person. Auf deren Kontoauszug steht ein höherer Betrag als vorher. Die Ersparnis liegt auf dem Konto der anderen Person.
Wer nur die eigene Karte betrachtet, sieht also eine Verschlechterung. Für die Haushaltsbetrachtung braucht es beide Seiten — und idealerweise eine Absprache über den Ausgleich.
Wo Familientarife nicht helfen
Bei Diensten, die inhaltlich nur eine Person nutzt. Ein Familientarif, der abgeschlossen wird, "weil er günstiger pro Person ist", obwohl nur ein Konto aktiv ist, kostet mehr als das Einzelabo.