Warum die Frage nicht akademisch ist
Forderungen tauchen nach Jahren wieder auf — durch einen Systemwechsel beim Anbieter, durch die Abtretung an ein Inkassounternehmen oder schlicht durch einen Fehler. In diesem Moment entscheidet, ob der Kündigungsnachweis noch vorhanden ist.
Wer ihn hat, erledigt die Sache mit einem Schreiben. Wer ihn nicht hat, ist in einer schwierigen Position, weil die Beweislast für den Zugang der Kündigung bei demjenigen liegt, der sich darauf beruft.
Die Verjährungsfristen
Deutschland: Die regelmässige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre (§ 195 BGB). Sie beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger davon Kenntnis erlangt hat (§ 199 BGB). Eine im März 2026 entstandene Forderung verjährt damit regelmässig Ende 2029.
Österreich: Für wiederkehrende Leistungen gilt eine dreijährige Verjährungsfrist.
Schweiz: Für periodische Leistungen wie Abonnementsbeiträge beträgt die Frist fünf Jahre (Art. 128 OR). Die allgemeine Frist nach Art. 127 OR liegt bei zehn Jahren.
Die Fristen können durch Mahnung, Anerkenntnis oder gerichtliche Schritte unterbrochen oder gehemmt werden — das verlängert den relevanten Zeitraum.
Die praktische Empfehlung
Mindestens drei Jahre über das Vertragsende hinaus, in der Schweiz eher fünf. Da digitale Speicherung nichts kostet, spricht wenig dagegen, Kündigungsnachweise dauerhaft zu behalten.
Was genau aufbewahrt gehört
Nach Wichtigkeit sortiert:
- Die Bestätigung des Anbieters mit dem konkreten Vertragsende. Das ist das stärkste Dokument, weil es vom Gegner stammt.
- Der Zustellnachweis — Einschreibenbeleg oder die Bestätigungsseite des Kündigungsbuttons.
- Das Kündigungsschreiben selbst mit Datum.
- Die Bestellbestätigung vom Abschluss, aus der die ursprünglichen Konditionen hervorgehen.
- Der letzte Kontoauszug mit einer Abbuchung, als Beleg für die Beendigung der Zahlungen.
Was nicht ausreicht
Ein Screenshot einer Kontoseite, auf der "gekündigt" steht. Er zeigt einen Zustand, nicht dessen Zeitpunkt, und lässt sich nicht mit einem Versanddatum verknüpfen.
Eine automatische Eingangsbestätigung. Sie belegt, dass eine Nachricht angekommen ist — nicht, dass eine Kündigung angenommen wurde.
Ordnung, die sich durchhalten lässt
Ein einziger Ordner, digital oder auf Papier, nach Anbieter benannt, mit allen Unterlagen zu diesem Vertrag. Der Aufwand entsteht einmal beim Vertragsende. Die Alternative — im Streitfall drei Jahre alte E-Mails zu durchsuchen — kostet mehr.